2018: Anna Lehmann-Brauns „Junimond“

 

Titel
Junimond
Zeitraum
17. Februar- 8. April 2018
Ort
Kunstverein Konstanz
Einführung
Dorothea Cremer-Schacht
Kuratoren
Dorothea Cremer-Schacht, Christiane Schmidt-Neubig
 Künstlergespräch 11. März 2018, 11 Uhr, Dr. Matthias Harder
Hauptkurator Helmut-Newton-Stiftung Berlin mit Anna Lehmann-Brauns
Einladung
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Anna Lehmann-Brauns, Oasis I, San Franzisco 2016

© Anna Lehmann-Brauns, Oasis I, San Franzisco 2016

Räume sind das zentrale Motiv von Anna Lehmann-Brauns. Sie findet sie in Hotels, Diskotheken, Theatern, Lichtspielhäusern, Clubs, Bars, Filmstudios und Fabrikanlagen. Ihre detailgetreuen Interieurs wirken wie aus der Zeit gefallen, alles scheint still zu stehen. Den farbstarken Szenerien haftet etwas Zauberhaftes, teils Skurriles an. Alles gleicht mehr einer subjektiven Zustandsbeschreibung, denn einer objektiven Wirklichkeitsabbildung – unterstrichen durch die gemäldehafte Anmutung der Fotografien. Die Fotokünstlerin erzählt Geschichten, die uns tief ins Bild ziehen und unsere Fantasie beflügeln und unsere Vorstellung herausfordern. Sind das reale Räume oder Kulissen oder Bühnen? Und wo sind die Menschen?

Der Kunstverein Konstanz präsentiert in Zusammenarbeit mit der Konstanzer Galerie Grashey eine Übersicht über Lehmann-Brauns Schaffen der letzten Jahre. Gezeigt werden Ausschnitte aus den Werkreihen Deaf/Taub, Paradise Lost und Spandau, die von Räumen urbanen Lebens aus neuerer Zeit handeln. Das Hauptaugenmerk der Schau richtet sich auf zweitjüngste Serie der Künstlerin mit dem Titel Wildsidewest. Diese entstand 2016 während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Kalifornien. Hier widmet sie sich intensiv alternativen Lebensformen in San Franzisco. In dem für seine LGBT-Community bekannten und legendären Viertel Castro fotografiert sie Clubs von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen und gewährt Einblick in eine Welt, die viele nie betreten. Charakteristisch für diese Arbeit ist – gleich den anderen ausgestellten Werkreihen – die Abwesenheit von Menschen. In Wildsidewest positioniert Lehmann-Brauns die Kamera dann, wenn weder Bardamen oder Barkeeper noch Inhaber oder Gäste anwesend sind. Es geht nicht um den Menschen, sein Verhalten, seine möglichen Ausschweifungen, ihre Neugier gilt dem Raum, wenn er verwaist ist und den Blick auf Barhocker, Billardtische, Schilder und Wandbemalungen freilegt wie auch auf Eigenheiten und Details. Trotz der Leere sind die Spuren der Menschen sichtbar. Für Matthias Harder von der Berliner Helmut-Newton-Stiftung kommt Lehmann- Brauns fotografischer Ansatz einer systematischen Untersuchung gleich, die nicht nur eine ästhetische, sondern eine gesellschaftliche Studie ist.

Lehmann-Brauns‘ fotografiert mit klassischen Werkzeugen: Mittelformatkamera, Analogfilm mit Größen bis zu 6 x 9 Zentimetern, Stativ. Bis auf die Beseitigung einiger Störenfriede wie Zimmerpflanzen, hat sie die Orte wie vorgefunden festgehalten. Licht und Farben spielen eine zentrale Rolle. Lehmann-Brauns fotografiert viel bei Nacht und arbeitet meist mit dem vorhandenen Licht, was lange Belichtungszeiten erforderlich macht. Bei der Vergrößerung beschränkt sie sich auf die Veränderung der Ausschnitte. Zu ihrer handwerklich versierten Arbeitsweise gesellt sich eine bildnerische Inspiration. Mit hell erleuchteten Bildteilen im Kontrast zur dunklen Umgebung, mit opulentem Rot, Türkis, Braun oder Lila und mit strenger Komposition verleiht sie ihren Bildern Glanz und Schönheit. Ihre Fotografien sind durch und durch abbildhaft und real und doch zugleich malerisch und illusionär.

JUNIMOND, der Titel dieser Ausstellung, ist dem gleichnamigen Lied des früh verstorbenen Rio Reisers entnommen, dessen Songs eine wichtige Rolle in Lehmann-Brauns Jugend und Erinnerungswelt spielen.

Die Ausstellung wird unterstützt von Steigenberger Inselhotel Konstanz, Zahn Malerfachbetrieb Konstanz.

 

Kurzbiografie:

Anna Lehmann-Brauns (*1967) lebt und arbeitet in ihrer Geburtsstadt Berlin. Sie studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig und besuchte die Meisterklasse von Joachim Brohm. Ihre Arbeit wurde mehrfach mit Preisen und Residency-Programmen ausgezeichnet und unterstützt. Ausgestellt hat sie in nationalen und internationalen Häusern; Einzelausstellungen widmeten ihr in den letzten drei Jahren u.a. Haus am Kleistpark, Berlin; Galerie Springer, Berlin; Galerie Greulich, Frankfurt; Galerie 94, Baden, Schweiz; Galerie Strümpfe – the supper artclub, Mannheim; Galerie Grashey, Konstanz. Vertreten wird sie von den Galerien Springer und Greulich.

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